Hinweise zur Benutzung

Projektbeschreibung

Friedrich Nietzsches Nachlass und mit ihm die darin überlieferten Korrespondenzen gehören zu den wenigen schriftlichen Hinterlassenschaften bedeutender Persönlichkeiten, die im wesentlichen an einem Standort aufzufinden sind. Dem bewahrenden Eifer von Mutter und Schwester des Philosophen ist es zu verdanken, dass zunächst die Briefe an Nietzsche und seine eigenen an Familienangehörige gerichteten Briefe gesammelt wurden. In der Folge, insbesondere nach dem Tode Nietzsches, unternahm Elisabeth Förster-Nietzsche große Anstrengungen, die Briefe ihres Bruders in dem von ihr gegründeten Archiv zu vereinigen. Dies glückte ihr zu einem großen Teil. So gelangten - meist durch Ankauf, gelegentlich durch Schenkung - Briefe Nietzsches an Marie Baumgartner, Paul Deussen, Carl v. Gersdorff, Peter Gast, Malwida v. Meysenbug, Constantin Georg Naumann, Erwin Rohde, Ernst Schmeitzner und Heinrich v. Stein nach Naumburg bzw. später nach Weimar, dem Sitz des Archivs seit 1896. In Abstimmung mit Elisabeth Förster-Nietzsche legte der Arzt Hermann Gocht eine größere Sammlung von Nietzsche-Briefen an. Sie enthielt vor allem Briefe an den Verleger Ernst Wilhelm Fritzsch, an Carl Fuchs und Reinhart v. Seydlitz. Diese Sammlung ist heute zersplittert, von einem Teil der Briefe kennt man sogar den derzeitigen Standort nicht. Gocht stellte aber in den dreißiger Jahren seine Sammlung dem Nietzsche-Archiv teils zur Abschrift, teils in Fotokopien zur Verfügung, so dass die Texte überliefert sind.

Einige größere Korrespondenzteile sind aufgrund objektiver oder auch subjektiv beeinflusster Ereignisse nicht Bestandteil des Nietzsche-Archivs geworden. Dazu gehören in erster Linie die Briefe Nietzsches an Franz und Ida Overbeck, an Lou v. Salomé und Paul Rée sowie an Friedrich Ritschl. Auch die Briefe von Franz Overbeck und von Erwin Rohde an Nietzsche befinden sich - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht in Weimar. Letztere wurden vom Absender zurückgefordert, erstere von Elisabeth Förster-Nietzsche in den zwanziger Jahren der Universitätsbibliothek Basel übergeben. Wo Originale nicht zu erhalten waren, bemühte sich das Archiv um Abschriften oder Fotokopien. Heute kann in nicht wenigen Fällen auf diese Textzeugen zurückgegriffen werden, auch wenn die Originale inzwischen verschollen sind. Es ist insbesondere das Verdienst der Herausgeber der Historisch-Kritischen Gesamtausgabe aus den dreißiger Jahren, nach dem handschriftlichen Nachlass Nietzsches systematisch geforscht und ihn in Publikationen dokumentiert zu haben.

Einen Überblick über die Standorte der bis 1938 bekannt gewordenen Briefe Nietzsches sowie der textrelevanten Abschriften und der Konzepte zu Briefen geben Wilhelm Hoppe und Karl Schlechta im „Sachlichen Vorbericht“ des ersten Bandes der Historisch-Kritischen Gesamtausgabe der Briefe Nietzsches, C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung München, 1938, S. XII - LVIII.

Seit dem Herbst 1950 befinden sich die Archivalien des ehemaligen Nietzsche-Archivs im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar. Die Neuordnung und Verzeichnung der Materialien geschah zunächst nur zum Teil. Der Philosoph Nietzsche war in der offiziellen DDR verfemt. Dennoch ermöglichte das Archiv ab den sechziger Jahren den italienischen Herausgebern der Kritischen Gesamtausgaben von Werk und Briefwechsel Friedrich Nietzsches (KGW und KGB) die uneingeschränkte wissenschaftliche Arbeit mit den Handschriften und Dokumenten des ehemaligen Nietzsche-Archivs. Zur gleichen Zeit erarbeitete die Archivarin Anneliese Clauss in enger Kooperation mit den Herausgebern vorläufige Findbücher für die Bestände, die aus den Materialien des ehemaligen Nietzsche-Archivs gebildet wurden. Der persönliche Nachlass Nietzsches ist schon in dem von Karl-Heinz Hahn im Jahr 1961 herausgegebenen Bestandsverzeichnis des Goethe- und Schiller-Archivs aufgeführt. In Wechselwirkung mit den von Giorgio Colli und Mazzino Montinari begründeten historisch-kritischen Editionen ist das Archiv heute bestrebt, mit seinen Findhilfsmitteln einen möglichst differenzierten Zugriff auf die Archivalien zu gewährleisten. So wurde im Jahr 2000 zum 100. Todestag Nietzsches von Wolfgang Ritschel ein zweibändiges Findbuch vorgelegt, das bestandsübergreifend sämtliche im Goethe- und Schiller-Archiv überlieferten Briefe von und an Nietzsche einzeln in alphabetischer Folge der Korrespondenzpartner, getrennt nach eingegangenen und ausgegangenen Briefen, verzeichnet und dabei auch Dispositionen und Konzepte textgenetisch einbezieht. Die Ergebnisse stehen im Archiv zusätzlich in einer Datenbank zur Verfügung. Diese Datenbank wurde zur Grundlage des Projekts, sämtliche derzeit bekannten überlieferten Briefe von und an Friedrich Nietzsche der internationalen Forschung in einem Verzeichnis im Internet zugänglich zu machen. Wesentlicher Bezugspunkt dafür ist die bereits genannte Kritische Gesamtausgabe des Briefwechsels von Friedrich Nietzsche (KGB). Das Verzeichnis geht aber über die bisher vorgelegten Bände dieser Gesamtausgabe hinaus. So bietet es auch Angaben zur Korrespondenz aus der Zeit nach dem Zusammenbruch Nietzsches bis zu seinem Tode. Es weist die Briefe von Franziska Nietzsche nach, die sie in den siebziger Jahren an Sohn und Tochter gemeinsam nach Basel geschrieben hat. Auch Stammbucheinträge und die sogenannten Urabschriften, die Elisabeth Förster-Nietzsche von angeblich später gestohlenen oder durch die Mutter vernichteten Briefen ihres Bruders anfertigte, werden verzeichnet, desgleichen Visitenkarten und Widmungen.

Nachgewiesen werden Ausfertigungen, Dispositionen und Konzepte von Briefen sowie Abschriften, die für die Textüberlieferung der Briefe relevant sind. Auch Couverts sind erfasst. Zur leichteren Orientierung werden das Briefincipit und die Briefnummer der Kritischen Gesamtausgabe (KGB) mit dem jeweiligen Druckort mitgeteilt. Briefe oder briefähnliche Texte (z. B. Widmungen oder Stammbucheintragungen), die nicht in dieser Ausgabe abgedruckt sind, weisen eine Kennzeichnung mit + hinter einer zusätzlich vergebenen Briefnummer auf, die in die Chronologie und Numerierung der Bände der KGB eingepasst ist. In einigen Fällen wird auf andere Druckorte verwiesen.

Der weitaus größte Teil der Briefe von und an Friedrich Nietzsche befindet sich im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar. Der Standort dieser Briefe wird mit genauer Blattstelle in der zutreffenden Signatur angegeben. Über den Link Digitalisat ist zudem ein Zugang zur Kopie der Handschrift möglich. Dieser Teil der Datenbank befindet sich noch im Aufbau und wird sukzessive vervollständigt, sobald die Finanzierung der dafür erforderlichen Arbeiten, die bis Dezember 2002 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen abgesichert war, auch in der Folge erreicht werden kann.

Von den andernorts überlieferten Briefen von und an Friedrich Nietzsche wird, sofern bekannt, lediglich der Standort mitgeteilt. Bei Briefen, die sich in Privatbesitz befinden, bleibt der Besitzer ungenannt. Eine Übersicht über die Standorte ist weiter unten gegeben.

Der Arbeit am Verzeichnis kamen vielfältige Anregungen und Verbesserungsvorschläge der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe- und Schiller-Archivs zugute, desgleichen die stets kooperative Bereitschaft der beiden mit der Programmierung befassten Kollegen, auf die Besonderheiten der darzubietenden Daten einzugehen. Ihnen allen sei an dieser Stelle kollegial gedankt. Auch weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist für Hinweise und Korrekturen zu danken, so vor allen den Bearbeiterinnen und Bearbeitern der Kritischen Gesamtausgabe des Nietzsche-Briefwechsels Dr. Andrea Bollinger, Dr. Renate Müller-Buck, Dr. Holger Schmid und Franziska Trenkle sowie den Teams der Nietzsche-Editionen um Marie-Luise Haase und um Ralf Rosmiarek. Für technische Hilfe beim Erstellen der Dateien gebührt Andrea Trommsdorf und Susan Wagner Dank. Das Verzeichnis soll auch weiterhin laufend ergänzt und korrigiert werden. Korrekturvorschläge und Hinweise auf bislang unbekannte Briefe und Standorte werden dankbar entgegengenommen.


Standorte

Basel (Schweiz), Staatsarchiv
Basel (Schweiz), Universitätsbibliothek
Bayreuth, Archiv der Richard-Wagner-Gedenkstätte der Stadt Bayreuth
Bayreuth, Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin/Preußischer Kulturbesitz
Erlangen/Nürnberg, Universitätsbibliothek
Frankfurt (Main), Stadtbibliothek
Kopenhagen (Dänemark), Königliche Bibliothek
Kraków (Polen), Biblioteka Jagiellonska
Leiden (Niederlande), Universitätsbibliothek
Leipzig, Universitätsbibliothek
Liestal, Dichtermuseum
Marbach a. Neckar, Schiller-Nationalmuseum/Deutsches Literaturarchiv
München, Bayerische Staatsbibliothek
Örebro (Schweden), Zentral- und Stadtbibliothek
Petersburg (Rußland), Bibliothek Saltykow Schtschedrin
Privatbesitz, ohne Ortsangabe
Sils Maria (Schweiz), Stiftung Nietzsche-Haus
Tribschen b. Luzern (Schweiz), Richard-Wagner-Museum
Weimar, Stiftung Weimarer Klassik/Goethe- und Schiller-Archiv
Weimar, Stiftung Weimarer Klassik/Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Zürich (Schweiz), Zentralbibliothek

Hinweise zur Benutzung

Jeder Brief ist einzeln verzeichnet. Er befindet sich entweder in der Abteilung Briefe von Nietzsche oder Briefe an Nietzsche und kann dort in jeweils vier Registern recherchiert werden. Die Register der ersten Abteilung lauten: Empfänger, Absendeort, Datum und Incipit; die zweite Abteilung hat die Register: Absender, Empfangsort, Datum und Incipit.
Briefe, deren Datum im Laufe der Kommentierung berichtigt worden ist, werden in den beiden Registern Datum sowohl mit dem alten wie mit dem neuen Datum geführt.

Jeder Brief ist direkt über die Option Suche recherchierbar. Hier besteht die Möglichkeit, Briefe nach Band und Nummer der Kritischen Gesamtausgabe (KGB), nach den Korrespondenzpartnern in ihrer Eigenschaft als Empfänger oder Absender von Briefen aufzufinden; aber auch ein Briefwechsel insgesamt kann abgefragt werden. Weiterhin lässt sich nach dem Jahr sowie nach Absende- oder Empfangsort recherchieren. All dies ist zudem in Kombination realisierbar. Die Suchbegriffe sind automatisch links und rechts trunkiert (so werden z. B. nach Eingabe das Suchbegriffs „Nietzsche“ sämtliche Träger dieses Namens einschließlich des Doppelnamens Förster-Nietzsche im Suchergebnis berücksichtigt). Umlaute und ß dürfen nicht aufgelöst werden. Die Begriffe werden unabhängig von der Groß- und Kleinschreibung gefunden.

Die Volltextsuche ermöglicht Recherchen nach dem genauen Datum sowie Suchbegriffen aus der gesamten Datenbank, die über die Register hinausgehen (z. B. nach Standorten, nach näheren Beschreibungen der Briefe, wie z. B. „Widmung“ oder „auf Visitenkarte“, nach beiliegenden Materialien oder nach Begriffen aus dem Incipit). Bei der Eingabe der Suchbegriffe dürfen Umlaute und ß nicht aufgelöst werden. Die Begriffe werden unabhängig von der Groß- und Kleinschreibung gefunden. Eine Trunkierung ist nicht automatisch vorgegeben. Sie kann mit dem Zeichen % sowohl vor wie auch nach einer Zeichenfolge veranlasst werden. Außerdem ist es möglich, mehrere Begriffe mit den Funktionen „and“, „or“ oder „not“ bei der Suche zu verknüpfen.

In der Vollanzeige, die nach Auswahl eines Eintrags aus der Übersichtsliste erscheint, stehen folgende Angaben je nach gegebenem Fall für die Beschreibung eines Briefes zur Verfügung:

Absender (Verweisform), Empfänger (Verweisform)
weitere Absender (Verweisformen) und Empfänger (Verweisformen)
Datum (korrigiertes Datum), Absendeort, Empfangsort, Umfang in Blatt, Couvert
Incipit
Überlieferungsform mit Schriftangabe, sofern es sich nicht um eigenhändige behändigte Ausfertigungen handelt (auch Dispositionen und Konzepte erhalten nur eine Schriftangabe, wenn sie nicht eigenhändig geschrieben sind)
zusätzliche Erläuterungen
beiliegende Materialien
Standort (im GSA mit Signatur)
Druckort (die römischen Ziffern der Kritischen Gesamtausgabe sind in arabische gewandelt)

Weitere Überlieferungsformen
mit Incipit, Standort und gegebenenfalls Umfang und Druckort

Ermittelte Angaben erscheinen in eckiger Klammer.