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Regestnummer: 6/1764 BOISSERÉE, JOHANN SULPIZ MELCHIOR DOMINIKUS 1815 November 11 S: 25/XXVIII,B Bl. 66-69 D: GB 2, 75-81 (T) B: 1815 November 6 (26, Nr. 7207) A: - Dank für G.s vertrauliche Unterstützung bei den Verkaufsverhandlungen über B.s Gemäldesammlung mit dem preußischen Staat (vgl. G. an F. von Schuckmann, 4. November 1815, WA IV 26, Nr. 7206). - G.s Schrift "Kunst und Altertum am Rhein und Main" werde großen Einfluß auf die in jeder Hinsicht schwankende, vielfach verwirrte öffentliche Meynung und die Regierenden in Bezug auf die Pflege und die Erhaltung altdeutscher Kunst haben. B. erwarte ernsthafte Anträge von seiten der Regierung, wolle aber vor der Hand noch Zeit gewinnen um zu sehen, was die preußische Regierung für den Niederrhein zu tun gedenke, denn ehe die Universitaet errichtet oder etwas recht Bedeutendes für den Dom gestiftet wird, können wir dort, so wie wir die Verhältnisse kennen, nichts förderliches und gedeihliches beginnen. Im Augenblick wäre der gehörige Vorschuß zur Herausgabe des Domwerks ("Ansichten, Risse ... des Doms von Köln") das annehmlichste was man uns biethen möchte. - Der Versuch des bayerischen Kronprinzen Ludwig, die Gemäldesammlung des Fürsten L. Oettingen-Wallerstein für das Vierfache ihres Werts zu erwerben, zeige, welch ein außerordentliches, aber auch blindes Treiben und Drängen nach dem altdeutschen Kunstwesen ausgebrochen sei. Der junge Fürst, der seine Sammlung gerade um die des Grafen J. Rechberg vermehrt habe, gestatte jedem, der sich an seinen Inspektor (Schmidt) in Wallerstein wende, Zugang zu seinen Gemälden und zu der von seinem Vater geerbten Elfenbeinsammlung. Der Fürst wolle jedoch nicht, daß seine Sammlung mit der unübersehbaren Masse in München zusammengelegt werde. Dies sei ein schöner Beweis für die Richtigkeit von G.s Prinzip des Disseminirens in Bezug auf die Bewahrung der Kunst, dem sich auch B. anschließe. Das concentrische Würcken der Regierungen solle nur eingreifen, um Anarchie und Zerstörung zu verhüten. G. könne diesbezüglich als ein anderer Solon, den Deutschen in diesem Fach eine Verfassung geben, die sie im politischen vergebens wünschen. - Die Gräfin F. Wrbna habe bei einem Besuch der Sammlung das Interesse des Fürsten Metternich an einem Umzug von B.s Gemäldesammlung nach Wien bekundet; erwähnt: K. vom Stein. - Ausführlich über die von G. erbetene Beschreibung des Schwetzinger Parks, erwähnt: J. M. Zeyher, der heilige Xavier, P. Verschaffelt, Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Bayern, N. de Pigage und J. B. Bertram. - Über die von G. erbetene Beschreibung und Geschichte von S. Lochners Kölner Dombild und seine Rettung durch B.; Bezugnahme auf den "Rheinischen Antiquarius" (hrsg. von J. H. Dielhelm). Zu dem Bild habe F. F. Wallraf eine lateinische Inschrift verfaßt. Hoffnung, daß G. dieses (von B. irrtümlich Wilhelm von Köln zugeschriebene) Bild in "Kunst und Altertum am Rhein und Main" würdige: Der Meister Wilhelm wird sich vor dem Meister von der Eiche nicht übel ausnehmen. (vgl. RA 6, Nr. 1684) - Klage B.s, wie dumm und verwirrt das Volck in der Kunstgeschichte sei. So schreibe das Mbl von Berlin aus, das jüngste Gericht von Johann von Eyck, das von vielen für ein Werk A. van Ouwaters gehalten werde, wegen seiner angeblich hohen Qualität M. Wolgemut zu (Korrespondenz von F. W. Gubitz, in: MBl 1815, Nr. 264); erwähnt: I. van Meckenem. - Da G. mit seinem Römischen Aberglauben B. in seinem VerwandtschaftsWahn bestärkt habe, fange er nun selbst an, etwas darauf zu halten, besonders seit seine Vermuthung wegen der neuen Köllnischen Risse und dadurch ein geheimes Verhältnis zu den Dingen sich zu bestätigen scheint (vgl. RA 6, Nr. 1737). B. werde sich diese Risse besorgen und sie mit den eigenen vergleichen; erwähnt: der Besitzer der Blätter. - Bitte, dem Schwänchen auch die Aushängebogen von "Kunst und Altertum am Rhein und Main" beizulegen. Da G. damit sicherlich bereits bis Heidelberg gelangt sei, möge er deer Vollständigkeit halber Graf K. Graimberg, C. Haldenwang und G. A. Wallis erwähnen. Der "Führer für Fremde durch die Ruinen des Heidelberger Schlosses" von T. A. Leger sei bei allen Mängeln die beste Beschreibung. - Frage nach G.s Plänen wegen der "Faust"-Illustrationen von P. Cornelius. - Um diesen bunten Brief mit einem Spaß zu beschließen, lege B. einen Brief von unserem köstlichen Gezwerg, M. H. Fuchs, für G.s Handschriftensammlung bei. Beilage: RA 6, Nr. 1738
Heidelberg