Vollanzeige

   

Regestnummer: 6/1080

GROTTHUß, SOPHIE LEOPOLDINE WILHELMINE VON

1814 Mai 25
Dresden

S: 28/375 St. 7   D: Europa 1850, 209-211   B: 1814 Mai 9 (24, Nr. 6825)   A: 1814 Juli 7 (24, Nr. 6871)

Ausführlich über den tiefen Eindruck, den der 3. Teil von G.s "Dichtung und Wahrheit" auf sie gemacht habe, mit Erwähnung einzelner Abschnitte: Das Verhältnis mit F. Brion, die Beyden leichtsinnigen u schwach fühlenden Liebhaber der Marien (in "Götz von Berlichingen" und "Clavigo"), das Erlebnis in Köln vor die Familien Gemählde (E. Jabach mit Familie, von C. Lebrun) und der Bund mit F. von Jacobi. Bewunderung für die Darstellung der Entstehung des "Werther" und erneute Schilderung einer Begebenheit aus den Jugendjahren mit diesem Werk (vgl. RA 2, Nr. 678); erwähnt: Cicero, Grotthuß' Vater (A. M. Meyer) und M. Mendelssohn. Weiter ausführlich über Jugenderlebnisse, als Lessing ein Freund des Hauses gewesen sei und sie des öfteren in Wolfenbüttel weilte; erwähnt: Grotthuß' Mutter. Zu Lessings "Nathan", dessen Personen Grotthuß bekannte Portraits seien: Nathan als liberaler Kauffmann, nach meinem Vater, als Denker Mendelsohn, Sitha, eine Freundin Lessings, die sehr aufgeklährt, die erste Berliner gelehrten Gesellschafft bey sich sah, selbst Al hafy (A. J. Wolff) war ein Secretaire meines Vaters; erwähnt: L. Euler sowie Anspielung auf die Komödie "Arlequin sauvage" von L. F. Delisle de la Drévetière. - Über Grotthuß' Sprachübungen bei Prinzessin Amalie, der Lieblingsschwester Friedrichs II. von Preußen; erwähnt: W. Wycherleys Werke. - G. habe recht daß Mendesohn, an dem Briefe von Lavater ("Zueignungsschreiben" J. K. Lavaters bei Überreichung seines Werks "Herrn Karl Bonnets ... philosophische Untersuchung der Beweise für das Christentum") gestorben sei; allerdings habe ihm dessen Angriff nicht so weh gethan, weil er sich Lavater überlegen fühlte (vgl. Mendelssohns "Schreiben an Herrn Diakonus Lavater"). Mehr noch aber habe ihn Jacobi tief verwundet (vgl. "Über die Lehre des Spinoza in Briefen an Herrn Moses Mendelssohn"). Nachdem Mendelssohn seine Antwort bei F. Nicolai abgegeben habe ("An die Freunde Lessings"; in der Vossischen Buchhandlung), sei er ganz ermatet nach Hause gekommen. Einschätzende Worte über Mendelssohn, dem sie die Beschäftigung mit alter Literatur und in Pyrmont die Bekanntschaft mit J. Möser, Herder und J. G. von Zimmermann verdanke; erwähnt: Rektor C. T. Damm sowie Shaftesbury und seine Werke. - Im weiteren Äußerungen zu G.s "Prometheus", zu seinen Gedichten und Schriften allgemein sowie zum "Ewigen Juden" mit Zitaten aus W. Shenstones "Tenderness" und Lessings "Nathan". - Ein Vorzug von "Dichtung und Wahrheit" sei diese züchtige Rechtlichkeit, die das Gepräge der Gediegenheit u des Rechtssins eines deutschen Reichsstädters trage. Anführung von Stellen, in denen der schönste Humor hervortrete; erwähnt: die Scheinfrau (S. M. Münch; im 15. Buch), Rousseau sowie J. B. Basedow. - Gute Wünsche für G.s Kuraufenthalt, Empfehlungen von ihrem Mann und Hoffnung auf den 4. Teil von "Dichtung und Wahrheit".

Zurück

 
Diese Seite drucken


Regestausgabe "Briefe an Goethe", © Sämtliche Urheberrechte liegen beim Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger