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Regestnummer: 5/326 ARNIM, ACHIM VON 1806 Februar vor 20 und 20 S: - D: GR 2, 83-95 B?: an J. F. Reichardt, 1806 Januar 7 (51, Nr. 5165a) A: 1806 März 9 (19, Nr. 5183; 1806 März 20, vgl. WA III 3, 122) TB: 1806 März 9 V: Druck 1806 Februar vor 20 Rückblick auf seinen Besuch bei G. in Weimar (im Dezember 1805), u.a. auf die gemeinsamen Spaziergänge in den Jenaer Bergen und die schöne Farbenerscheinung auf der alten gemalten Scheibe; G.s Gegenwart habe ihn ganz erfüllt. - Vom weihnachtlichen Besuch in Giebichenstein bei J. F. Reichardt, dessen Töchter Luise und Friederike (oder Sophie) ihn u.a. mit einer Liedermusik beschenkt haben. - In Berlin herrsche die trübe gepreßte Luft einer zwangvollen Kinderstube, aus der er in allerley Gelehrsamkeit geflohen sei. - Von seinen enttäuschten politischen Erwartungen: Während die Franzosen das alte Haus bedrohen, seien aus den zurückkehrenden Regimentern des preußischen Königs viele davongelaufen. Zitat von Schillers Versen Er zählt die Häupter seiner Lieben [...]' ("Das Lied von der Glocke", Vers 225). Über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Mangels an Magazinen und die Vorzeichen einer bevorstehenden Tragödie. - A. berichtet von seinem Besuch des Kunst- und Naturalienkabinetts und hebt hervor: eine Sammlung vielformiger Vasen, vom General St Cir (L. Gouvion-Saint-Cyr) erkauft und ein gutes Model der kleinen (Schweizer) Kantone von F. L. Pfyffer, aber kleiner als das in Luzern. Während das Mineralienkabinett und die Gemälde nur gegen theuren Eintritt besichtigt werden können, sei das von J. G. Walter angekaufte anatomische Kabinett öffentlieh zugänglich, eine Barbarey. - Vom Besuch der Bildhauerwerkstätten K. Wichmanns und G. Schadows. Dieser habe sich fast zwei Jahre mit der Ausgestaltung seines Hauses beschäftigt und arbeite zur Zeit an einer für die Mansfelder literarische Gesellschaft bestimmten (1821 in Wittenberg aufgestellten) Luther-Statue, die nach einem Cranach-Bilde, ähnlich dem Weimarer Stiftungsbilde, gestaltet sei. A. schildert ein Denkmal von Kopernikus (für die Walhalla in Regensburg), Grabdenkmäler und eine weibliche nackte Figur auf Kissen liegend, Schadows gröstes Werk. - A. sendet Proben von Zierrathen aus der Königlichen Eisengiesserey vor dem Brandenburger Thor. Erwähnung eines lebensgroßen Kopfes König Friedrichs II. aus der Porzellanfabrik. In Eckardtstein's Steingutfabrik bilde man antike Formen nach J. Wedgwood nach. Von F. Catels Arbeiten; Beschreibung eines Aquarells, die Ermordung des Abts Nikolaus von Bernau darstellend, eines Bildes mit König (Friedrich Wilhelm III. von Preußen) und Kaiser (Alexander von Rußland) am Grabe Friedrichs II. sowie über ein projektirtes Denkmahl auf Friedrich. - Erwähnung L. Catels und zweier junger Maler: Wolters (? H. Wolter), der aus Kassel Kopien von Claude Lorrain mitgebracht haben soll, und Kretschmann (? K. Kretschmar), der aus Italien zurückgekommen sei. Bei Bury habe A. das Porträt G.s (1800) gesehen, außerdem B. Genelli als Amor vor Jupiters Sitz sowie drey schwörende Schweizer mit einer Landschaft von J. Genelli für einen Baron Penz (Pentz) in Mecklenburg. - Das gelehrte Handwerk verharre in seiner beweglichen Unbeweglichkeit; erwähnt: Napoleon. A. von Humboldt wurde Kammerherr, da er nicht Präsident der Akademie werden konnte, die nun in ihrem Sündenschlafe bleiben werde. Von dessen dortiger Vorlesung (vgl. "Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse", Ruppert 4711) auch habe er herrliche Sachen mitgebracht. Bericht über Fichtes Vorträge "Die Anweisung zum seligen Leben" (Berlin 1806), die immer noch das bewuste Pferd seien. - Am Berliner Theater, dessen Lampen nach Skawrenskys Erfindung eine Verbesserung erhalten haben, werde Corneilles "Cid" in A. Niemeyers Bearbeitung gespielt (Premiere am 3. Februar) ganz ungescheut waren ganze Stellen aus Wallenstein eingesetzt. K. M. Döbbelin ist blind geworden. Über die Aufführung von A. Bergens "Heinrich der Vierte". Desgleichen von derr Aktualisierung des Faust-Stoffes auf dem Kasperltheater. - Ich flüchte mich aus der grossen Gesellschaft, in die kleine [...]. Nachrichten über J. F. Reichardt, S. von Grotthuß und M. Levi (? R. Levin). 1806 Februar 20 Dank für G.s Rezension von A.s und Brentanos "Des Knaben Wunderhorn" in der JALZ (1806, Nr. 18f.; vgl. G. an Eichstädt, 1806 Januar 12, WA IV 19, Nr. 5166) G. s Wohlwollen und des "Freimütigen" Trutz (Rezension, in: "Der Freimütige" 1805, Nr. 260) zeige ihm, daß sein Unternehmen naturgerecht war. - A. wandre in wenigen Tagen nach Mecklenburg. August möge ihm das versprochene Stammbuchblatt über Berlin (Viereck Nr. 4) (Adresse von K. von Labes) schicken.
Berlin