Regestnummer: 2/678 GROTTHUß, SARA SOPHIE VON 1797 März 20 S: 28/16 Bl. 176-177 D: Geiger, in: GJb 14 (1893), 50-53 (T) B: 1797 Februar 9 (12, Nr. 3483) A: - Nachricht von ihrer Eheschließung mit dem Hauptmann von Grotthuß, die sie trotz vielfacher Widerstände erreicht habe. - Das angekündigte Epische Gedicht ("Hermann und Dorothea") erwarte sie mit Sehnsucht, zumal sie jüngst die Wirkung von G.s "Iphigenie" und von "Alexis und Dora" ("Musenalmanach" für 1797) empfunden habe. Ausführliche Erzählung einer Begebenheit ihrer früheren Jugend, wo sie unendlich durch G.s "Werther" gelitten hatte: G.s Buch habe für sie während eines Liebeserlebnisses Bedeutung gewonnen, sei ihr aber vom Vater und M. Mendelssohn verboten worden. Lessing habe sie getröstet, ihr ein neues Exemplar des "Werther" gebracht und gesagt: Du wirst einst erst fühlen [...] was für ein Genie Göthe ist, das weiß ich [...] ich gäbe 10 Jahre von meinem Leben wenn ich Sternens (L. Sterne) Lebenslauf um ein Jahr hätte verlängern können, aber Göthe tröstet mich einigermaßen über seinen Verlust. Auch habe sich Lessing mit Mendelssohn über sie beinahe entzweit, u jetzt tritt der Verläumder auf u spielt auf seine Unkosten den Großmühtigen Kenner des Verdienstes, er hätte Lessing abgehalten etc etc (vgl. F. Nicolai "Anhang zu Friedrich Schillers Musenalmanach für das Jahr 1797", Berlin und Stettin o. J.) Wie ich gelacht als ich an die Stelle kam wo sich Nicolai rühmt mit Moses (Mendelssohn) den Schäftsbury (Shaftesbury) gelesen zu haben [...]. Von Mendelssohns kritischem Urteil über Nicolai. Sie schreibe dies, weil diese Epoque [...] die Ursache für zehn Jahre unglücklicher Ehe gewesen sei, zu der auch Mendelssohn sie gezwungen habe. - G. möge ihr Abschriften seiner entstehenden Werke zusenden.
Dresden