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Regestnummer: 5/959 OEHLENSCHLÄGER, ADAM GOTTLOB 1808 September 4 S: 28/670 St. 2 D: Oehlenschläger, Nr. 301 B: - A: an Cotta, 1808 September 23 (51, Nr. 5601a); an Eichstädt, 1808 September 23 (20, Nr. 5601); an C. von Goethe, 1808 Oktober 31 (20, Nr. 5624) Hier sitze ich schon mehrere Tage ohne Coffer (worin die Trauerspiele liegen die ich Herrn Cotta vorlesen sollte) [...]. Seinen Brief von Paris (RA 5, Nr. 651) mit seinem Gedicht "Der irrende Ritter" werde G. durch L. V. Herda erhalten haben. O. befinde sich auf der Reise nach Rom und sei über Cotta erreichbar. - Erleichterung darüber, daß Kopenhagen kein Bombardement zu erwarten habe wie im Vorjahr (2. bis 5. September 1807 durch die Engländer); erwähnt: O.s Vater und Schwester (S. Örsted). - "Aladdin" werde G. Von F. A. Brockhaus erhalten und die auf seinen Wink zurückgehenden Veränderungen bemerkt haben. O. habe Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht, brauche aber Aufmunterung und nicht solche gemeine feindselige Animositet wie die Kritik in der Ztg eleg W (1808, Nr. 116 f.: Rezension über: "Aladdin"). Klage über den Vorwurf, daß er in schlechten Versen zu G. gesprochen hätte. Zitat von Ovid: ,Quamquam sint sub aqua, sub aqua maledicere tentant' (nach "Metamorphosen" VI, 376). Bitte um eine Rezension G.s (vgl. aber: S. Schütze über: "Aladdin", in: JALZ 1809, Nr. 215 f.), denn die Herren zuhause verstehen bitter wenig von der Aesthetik. - Hinweis auf Cotta und seine Verlagsbedingungen. Zum Programm seiner literarischen Produktion: O. habe im "Aladdin" das Glück, im "Hakon Jarl" die Religion, im "Palnatoke" den Staat, im "Axel und Wallburg" die Liebe dargestellt. Nun solle in einem Correggio die Kunst und in einem Sokrates die Philosophie oder eigentlich die Lebensweisheit zum Vorschein kommen. Ebenso wolle er einen Albert Julius oder Felsenburg (Anspielung auf J. G. Schnabel "Wunderliche Fata einiger Seefahrer, später: "Die Insel Felsenburg") und einen Tordenschild (Tordenskjold) schreiben. - Bewunderung für G.s "Faust. Eine Tragödie" und "Achilleis". Man sagt daß Sie in Carlsbad einen Roman geschrieben haben sollen ("Die Wahlverwandtschaften"). Erinnerung an die Wirkung, die der "Werther" und "Wilhelm Meister" auf ihn gehabt hatten, und Wunsch, selber einen Roman zu schreiben. Doch fürchte er, sein eignes Leben zu schreiben, während die Poesie doch eigentlich das ideale zusammengedrängte Schöne und Bedeutungsvolle des Lebens darstellen sollte. Das habe er beim Lesen von T. G. Smolletts "The Adventures of Peregrine Piekle" (London 1751) in Weimar während der Schlacht bei Jena empfunden (14. Oktober 1806). - Bitte um Empfehlungsschreiben nach Italien, z. B. an W. von Humboldt, auch um eine Befürwortung an Cotta. - Während seines 19 Monate währenden Pariser Aufenthals habe er viele deutsche und dänische Gedichte verfaßt. Die Franzosen, die vortrefliche Soldaten, Schauspieler, Tänzer, Geschäftsleute, Umgangsleute seien, habe er vor allem im Theater kennengelernt; der Staat ist frisch und bewegt sich gelenk; was Oben seyn muß, ist Oben; ein Jeder ist Bürger [...]. Nur Von Wissenschaft und wahrer Kunst weiß der jezige Franzos gar nichts. Ausführlich über sein persönliches Verhältnis zur französischen Kultur. Auch Corneille, der beste französische Dramatiker, habe sich verblüffen lassen von den Puristen und der großen Formlosigkeit und Phantasterey der Spanier. Vergleich der Gegensätze zwischen dem französischen Regelzwang und der spanischen Formlosigkeit sowie zwischen dem gegenwärtigen Mystizismus und der kritischen Philosophie. Charakteristik des Stilmerkmals von Rousseau (richtig: Racine) und dessen "Athalie". Erwähnt: Fénelon, Buffon, Racine und Volaire. Aber: Wie unendlich weit hatte der Verfasser von der Pucelle d'Orleans zu steigen um eine Jungfrau von Orleans schreiben zu können! Zur Zeit würden die Franzosen zwar in der deutschen Literatur gebraucht, doch mit Bösem muß man Böses vertreiben. Hinweis auf Schillers "An Goethe, als er den Mahomet von Voltaire auf die Bühne brachte". Aber wer die alte südliche und nördliche Litteratur kennt. Wer Shakespeaare Goethe Schiller und J. Ewald kennt, lernt nicht viel von den Franzosen. - Vorfreude auf ein Wiedersehen mit G. in Weimar und auf eine eventuelle Aufführung seines "Hakon Jarl" auf dem Weimarer Theater. Bekenntnis seiner unbedingten Verehrung für G. mit Grüßen an G.s Frau und Riemer. - Ferner erwähnt: Homer. Beilage zu: RA 5, Nr. 961.
Tübingen