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Regestnummer: 5/734

REINHARD, KARL FRIEDRICH

1807 Oktober 2 bis 14
Paris

S: 28/734 St. 4   D: GRe, Nr. 7   B: 1807 August 28 (19, Nr. 5409); 1807 September 28 (19, Nr. 5423; 1807 September 27, vgl. RA 5, Nr. 734)   A: 1807 November 16 (19, Nr. 5454; 1807 November 7, vgl. WA III 3, 293)   TB: 1807 Oktober 26

1807 Oktober 2
Über das Zusammensein mit Wolzogens, F. J. Harbaur und M. Schweizer. R. bedauert G.s Abwesenheit: Ihnen selbst felt villeicht Paris zur vollendeten Anschauung unsrer gegenwärtigen Welt-Epoche; o warum sind Sie nicht hier!
1807 Oktober 6
Hinweis auf seinen im vorigen Brief (RA 5, Nr. 717) geachten Vorschlag, den historischen Teil von G.s "Farbenlehre" im Institut de France bekannt zu machen und so durch die Pforten der alten Literatur(2. Klasse) in den Tempel der Physik (1. Klasse) einzugehen G.s Buch (Teile der "Farbenlehre") sei seit vorgestern in Cuviers Händen. Bei der Übergabe in Gegenwart der Sekretäre aller vier Akademien habe R. eine ächt-französische Dissertation über Kant zu hören bekommen und gemerkt, daß Cuviers Sinn für deutsche Ansichten noch nicht erstorben sei. Bei mehreren Gesprächen über G.s Theorie mit J. B. J. Delambre habe dieser in Bezug auf die epoptischen Zirkel am konvexen Glas zugegeben, es sei erwiesen, daß Newton sich hier geirrt habe. - Auszugsweise Mitteilung eines Briefes von C. De Villers. Dieser sei gerade durch ein Memoire über die Farben, worin er die Ideen irgend eines Professors aus Straßburg vortrug, beim Institut in neuen Miskredit gekommen. Dennoch sei sicher, daß optische Ideen auch in Frankreich wirklich in der Luft sind. Hinweis auf zwei Memoirs, u.a. von J. H. Hassenfratz ("Sur Les Ombres Colorees", in: "Journal De l'ecole Polytechnique", Bd. 4), R. selbst wolle einen Aufsatz in den "Archives Littériares de l'Europe") schreiben. Mit van Derbourg, der troz seiner bösen Übersezung Von Jacobis "Woldemar" ein Freund Jacobis sei, habe er schon gesprochen. Weitere Überlegungen, G.s "Farbenlehre" und die These, Newton habe sich, zwar nicht als Mathematiker, aber als Physiker, in mehreren seiner Behauptungen über die Farben geirrt, zu propagieren. Auch ein Übersetzer werde gefunden werden, eventuell in R. selbst.
1807 Oktober 10
Erläuterungen zu den erwähnten Memoires: Das von Hassenfratz trage den Titel sur les couleurs complimentaires? [...] ("Sur les ombres colorees"), das andere sei von C. A. Prieur und trage den Titel considerations sur les couleurs; erwähnt: G. Monge. - G.s Brief vom 27sten Mit Cuvier bin ich noch nicht wieder zusammengetroffen. R. J. Haüy kenne R. nicht. Bedauern, G.s Einleitung noch nicht erhalten zu können; dennoch wolle er die "Farbenlehre" ankündigen und es nicht an literarisch-diplomatischer Gewandtheit fehlen lassen. - R. befürchtet, daß angesichts eines im "Publiciste" erschienenen Artikels französische Regierungskreise ihm seinen Weimarer und Jenaer Aufenthalt vorwerfen. Zitate aus einem Brief Talleyrands und einem Artikel des "Publiciste", - R.s Frau habe ein Haus gekauft, das Jagdschloß des ehemaligen Kurfürsten von Köln, Namens Falkenlust. Falls R. wieder in Staatsdienste treten sollte, müßte die Stelle mich suchen, nicht ich sie. K. T. von Dalberg ist immer in Fontainebleau. Man sagt, er helfe Napoleon Deutschland einrichten. - Über Napoleons Politik gegenüber Rom, den alten, tauben Kardinal (Bayane) und dessen Reise nach Italien.
1807 Oktober 14
Über ein Fest der Gewaltigen von Paris in Fontainbleau (Vermählung von Jérome Bonaparte mit Prinzessin Katharine von Württemberg) und eine Lesung Oehlenschlägers aus Seinem "Aladdin"; dabei Vergleich der Augen Des Dichters mit denen P. Rodes; unsre Zusammenkunft stand bereits unter der Aufsicht der Polizei. - Frage, ob G.s "Vorspiel zur Eröffnung des Weimarischen Theaters am 19. September 1807" noch nicht gedruckt sei (in: MBl 1807, Nr. 252f.). K. von Wolzogen werde als Pendant "Les bateliers Du Niémen" (von A. Désaugiers, Francis und C. F. J. B. Moreau) für G. mitbringen. R. rühmt die Aufführung von Corneilles "Nicomède" und den Schauspieler Talma,, Vergleich mit Shakespeares "Hamlet". Wie, wenn sie es übersetzen und einen neuen fünften Akten schrieben? von R.s Ergötzen, daß niemand zu fülen schien, daß sie die Römer wären! Ich fülte [...], daß ich ein Deutscher bin [...].
Insert: Auszug aus C. De Villers' Brief an R. vom 15. August 1807, in französischer Sprache: Dank für die Skizze (equisse; wohl: Schema vom 1. Juli 1807) über G.s Farbentheorie. Er werde sich das Buch verschaffen und eine Rezension für das in Amsterdam erscheinende "Journal de Littérature, des Sciences et des beaux arts" (1807f.) versuchen, falls er sich die neue Theorie aneignen könne. Es wäre notwendig, einen geeigneten Moment für die Verbreitung des Werkes in Frankreich zu finden.

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