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Regestnummer: 7/1062 RUCKSTUHL, KARL JOSEPH HEINRICH 1817 Juni 15 S: 28/758 St. 1 D: - B: - A: - TB: 1817 Juni 25 Durch H. Meyer habe R. über die positive Resonanz G.s auf seinen Aufsatz in der "Nemesis" ("Von der Ausbildung der teutschen Sprache", Ruppert 718) erfahren. Näheres zur Entstehung des Aufsatzes, für den er G.s "Werke" benutzt und aus dem Gedächtnis zitiert habe, sowie zum Werdegang R.s. Freude darüber, daß G. sich um die Verbreitung des Aufsatzes bemühen wolle. - Dank für die zwey Rhein- und Main-Hefte, die Meyers Brief beigelegen haben. Ausführliche Würdigung von G.s Erzählstil unter Bezug auf das "Sankt Rochusfest zu Bingen", den 1. und 3. Teil von "Dichtung und Wahrheit", die "Wahlverwandtschaften", die "Venezianischen Epigramme" sowie den "Römischen Carneval"; erwähnt: die Beschreibung der Krönung Kaiser Josephs II. und Zitat ein Tag ist ein großes Gefäß [...] (nach "Dichtung und Wahrheit", 2. Teil, 8. Buch). G. erzähle abwechslungsreicher als Vergil in der "Aeneis". - Wie bei A. Humboldt seien G.s einzelne Beobachtungen durch eine schöne poetische oder künstlerische Composition zu einer Einheit geworden, wobei Humboldts Stil eher wissenschaftlich sei. - Weitere Kommentierung von G.s Werken; dabei erwähnt: Das "Tagebuch der italienischen Reise" und die zuerst in den "Horen" gedruckten "Briefe aus der Schweiz" ("Briefe auf einer Reise nach dem Gotthard"; 1796, 8. Stück). - Über die Beschreibung der Kunstsammlungen im 1. Heft von "Über Kunst und Altertum", dabei erwähnt: F. Pick und E. Jabach sowie G.s "Wilhelm Meisters Lehrjahre", besonders "Die Bekenntnisse einer schönen Seele". - Über R.s eigene literarische Versuche: Die neuern politischen Bewegungen hätten ihn zu Aufsätzen angeregt, die J. Görres in der 2ten Hälfte des Jahres 1815 in den "Rheinischen Merkur" ("Briefe eines teutschen Freiwilligen") aufgenommen habe. Sein höchstes Ideal seien die Volksredner in Athen und Rom, die ein ganzes Volk durch ihr Wort begeistern und ihm in der Vertheidigung des Vaterlandes zu Heldenthaten Kraft und Muth einflössen. Diesen Gedanken habe R. neulich im "Deutschen Beobachter" in einem Aufsatz über den Vortheil mündlicher Verhandlungen über die in Preußen übliche Schreiberei ausgeführt. Daneben wünsche er, die Geschichte aus dem Altherthum in die Gegenwart zu treiben, um zwischen der Literatur und der Jugend und zwischen alter und neuer Zeit zu vermitteln; erwähnt: seine Vorbilder Lessing, Herder sowie A. W. und F. von Schlegel. R. wolle durch Verknüpfung, durch Bildung von Einleitungen und Uebergängen, durch angemessene Windungen und Vergleichungen beleben, was köstlichen Gehalt hat, aber veraltet und unbeachtet da liegt. Zunächst wolle er sich dabei durch die nächste Umgebung leiten lassen und sich mit den Rheingegenden beschäftigen. Bitte, seine Versuche über die zu errichtende Rheinische Universität in Bonn, über Kunst, Landschaft, Volksleben und Altertum G. zur Prüfung zusenden zu dürfen. - Über R.s Arbeitsweise und Charakter: Ansätze und Vorsätze ändern bei mir leicht und oft. Da R. weitläufigem Planen nicht gewachsen sey, werde er eine Arbeit, deren ersten Teil er unter dem Titel Berge und Gewässer an Bekannte in Stuttgart geschickt habe, wohl abbrechen; erwähnt: S. Michaelis, der sie vielleicht in einem süddeutschen Journal abdrucken lassen wolle. - Im "Deutschen Beobachter" stehe gegenwärtig etwas von R. mit dem Titel "Blick auf Preußen", das er bereue, sowohl weil es einseitig und leidenschaftlich geschrieben ist, als auch, weil es das gute Vernehmen mit den über mir stehenden Behörden stören kann; erwähnt: J. F. Benzenberg. Auch seine im Artikel vertretene Meinung, in Berlin könne die Kunst wegen der fehlenden schönen Natur nicht gedeihen, sei nach G.s Ausführungen in "Über Kunst und Altertum" (1. Heft) nicht mehr haltbar. - Bitte um Bestellung der Beilage an Meyer.
Bonn